Die Umstellung auf bleifreies Flugbenzin nimmt Fahrt auf. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA hat Ende Juli 2026 ihren aktualisierten Übergangsplan veröffentlicht. Das Ziel: Die Kolbenmotorflotte soll bis 2030 sicher mit bleifreien Kraftstoffen betrieben werden können.
Für Halter in Deutschland und Europa stellt sich damit eine entscheidende Frage: Darf ich einen verfügbaren bleifreien Kraftstoff bereits in meiner Maschine verwenden?
Verfügbar bedeutet nicht automatisch freigegeben
Ob ein Kraftstoff verwendet werden darf, richtet sich nicht allein danach, ob er an einem Flugplatz angeboten wird. Entscheidend ist die konkrete Kombination aus:
- Flugzeugmuster,
- eingebautem Motor,
- Kraftstoffspezifikation,
- Type Certificate oder Supplemental Type Certificate,
- Betriebs- und Wartungsunterlagen.
Eine allgemeine Zulassung oder eine Freigabe für bestimmte Motoren bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jedes damit ausgerüstete Flugzeug betankt werden darf.
Besonders genau bei N-registrierten Flugzeugen hinschauen
Bei einem amerikanisch registrierten Flugzeug können FAA-Zulassungen und STCs maßgeblich sein. Gleichzeitig muss der tatsächliche Betrieb in Europa berücksichtigt werden.
Vor der ersten Betankung sollten Halter daher prüfen:
- Ist der Kraftstoff für das konkrete Flugzeug freigegeben?
- Ist auch der eingebaute Motor erfasst?
- Gibt es Einschränkungen oder ergänzende Betriebsanweisungen?
- Wurde die Freigabe korrekt dokumentiert?
- Sind Werft und Kraftstofflieferant über die genaue Spezifikation informiert?
Auch für die Versicherung relevant
Ein neuer Kraftstoff verändert nicht automatisch den Versicherungsschutz. Problematisch kann es jedoch werden, wenn ein nicht zugelassener Kraftstoff verwendet oder von den genehmigten Betriebsbedingungen abgewichen wird.
Bei wesentlichen technischen Änderungen sollte deshalb frühzeitig geprüft werden, ob der Versicherer informiert werden muss. Das gilt besonders bei Motorumbauten, STCs oder Änderungen der Kraftstoffzulassung.
Eine persönliche Prüfung Ihrer Luftfahrzeugversicherung hilft, technische Veränderungen und Vertragsstand sauber miteinander abzugleichen.
Unser Fazit
Bleifreies Avgas ist ein wichtiger Schritt für die Allgemeine Luftfahrt. Für Flugzeughalter zählt aber nicht nur, welcher Kraftstoff verfügbar ist, sondern welcher Kraftstoff für die eigene Maschine tatsächlich freigegeben wurde.
Im Zweifel gilt: Erst Unterlagen prüfen, dann tanken.
Quelle: FAA – Transition to Unleaded Aviation Gasoline
Bildnachweis: Hp.Baumeler/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Das Foto dient als Symbolbild.

