Prebuy

Wenn aus einem Flugzeugkauf plötzlich ein Firmenkauf wird – was wir in Prag gelernt haben

Drei Teilnehmer des geplanten Cirrus-Kaufs vor einer Cirrus SR22 am Flugplatz Prag-Letňany

Ein Flugzeugkauf beginnt oft mit Begeisterung. Er sollte aber niemals mit Vertrauen allein abgeschlossen werden. Anfang 2026 wollten wir eine Cirrus SR22 Turbo in Prag kaufen. Die Maschine stand am Flugplatz Letňany, die Gespräche liefen professionell, der Letter of Intent war unterschrieben und eine Pre-Buy Inspection vorbereitet. Wir waren bereit, den nächsten Schritt zu gehen.

Also flogen wir mit einer anderen Cirrus nach Prag. Allein für Anreise, Flugzeug, Crew, Organisation und die geplante technische Prüfung entstand erheblicher Aufwand. Für uns war das zu diesem Zeitpunkt kein Problem: Wer ein hochwertiges Flugzeug kauft, muss bereit sein, vor dem Kauf sauber zu prüfen.

Das eigentliche Problem kam erst danach.

Eine entscheidende Information kam sehr spät

Nach unserer Erinnerung war die Cirrus im Verkaufsinserat auf Controller mit einem Preis angeboten worden, bei dem für uns nicht erkennbar war, dass zusätzlich noch Mehrwertsteuer zu berücksichtigen sein sollte. Erst nachdem der LOI unterschrieben und die Vorbereitungen für den Pre-Buy bereits getroffen waren, wurde die steuerliche Situation zum Thema.

Gleichzeitig stand plötzlich eine weitere Konstruktion im Raum: Im Zusammenhang mit dem Erwerb des Flugzeugs sollte auch die Übernahme einer Gesellschaft eine Rolle spielen.

Damit hatte sich die Grundlage, auf der wir unsere Kaufentscheidung und unseren Aufwand geplant hatten, wesentlich verändert. Aus einem vermeintlich klaren Aircraft Deal wurde auf einmal eine Transaktion mit zusätzlichen steuerlichen und gesellschaftsrechtlichen Fragen.

Für uns war an diesem Punkt klar: Wir kaufen die Maschine nicht.

Der Pre-Buy prüft das Flugzeug – aber wer prüft den Deal?

Über Pre-Buy Inspections sprechen wir bei AVIATIONTRUST häufig. Logs, Damage History, Motor, Propeller, Avionik, CAPS, Korrosion, Wartungsstatus und offene Airworthiness-Themen gehören bei einer Cirrus auf den Tisch.

Unser Erlebnis in Prag hat uns aber noch einmal an etwas anderes erinnert: Die technische Prüfung allein reicht nicht.

Vor größeren Ausgaben für Anreise und Pre-Buy sollten Käufer auch die wirtschaftliche und rechtliche Struktur des Deals verstehen. Dazu gehören aus unserer Sicht mindestens:

  • Wer ist der rechtliche Eigentümer des Flugzeugs?
  • Handelt der Makler nachweislich im Auftrag des Eigentümers?
  • Ist der angebotene Kaufpreis brutto, netto oder gegebenenfalls zuzüglich Umsatzsteuer?
  • Welchen VAT-Status hat das Flugzeug und welche Nachweise gibt es dazu?
  • Wird ausschließlich das Flugzeug verkauft oder ist eine Gesellschaft Bestandteil der Transaktion?
  • Wer erhält welche Provision und von welcher Partei?
  • Wer hält Kaufpreis oder Deposit und unter welchen Bedingungen wird es zurückgezahlt?
  • Was passiert, wenn der Pre-Buy erhebliche Mängel feststellt?
  • Welche Kosten trägt jede Seite, wenn der Kauf nicht zustande kommt?
  • Sind vollständige digitale Logs vor dem Termin verfügbar?

Viele dieser Fragen sind einfach. Gerade deshalb sollten sie beantwortet sein, bevor Flugzeuge gechartert, Techniker gebucht oder internationale Reisen organisiert werden.

Ein professioneller Auftritt ist noch keine Referenz

Ein gutes Inserat, schnelle Antworten und ein professionell formulierter LOI vermitteln zunächst Sicherheit. Doch ein Makler ist bei einem Flugzeugkauf ein wichtiger Teil einer Transaktion, bei der schnell mehrere hunderttausend Euro bewegt werden.

Deshalb würden wir heute noch früher nach Referenzen fragen: Wie lange ist das Unternehmen am Markt? Welche Flugzeugmuster kennt das Team wirklich? Welche Transaktionen wurden bereits begleitet? Gibt es nachvollziehbare Kundenreferenzen? Bestehen belastbare Beziehungen zu Herstellern, Service Centern, Werften, Escrow-Anbietern und Spezialisten?

Dabei geht es nicht darum, kleine Makler grundsätzlich abzuwerten. Ein kleiner, hoch spezialisierter Broker kann hervorragend arbeiten. Umgekehrt ist auch die Größe eines Unternehmens keine Garantie. Entscheidend sind Erfahrung, Transparenz, klare Zuständigkeiten und ein sauberer Prozess.

Warum wir heute etablierte Spezialisten bevorzugen

Ein Beispiel für die Art von Spezialisierung, die wir bei größeren Transaktionen schätzen, ist Aerista in den USA. Das Unternehmen beschreibt sich als langjährigen Cirrus Pre-Owned Sales Partner und beschäftigt nach eigenen Angaben Spezialisten unter anderem für Cirrus sowie den Piper-PA-46-Markt.

Das bedeutet nicht, dass ein Käufer einem großen Namen blind vertrauen sollte. Auch dort gehören Vertrag, Aircraft Records, Eigentumsverhältnisse, Steuerstatus und Pre-Buy unabhängig geprüft. Aber etablierte Strukturen, langjährige Musterkenntnis und nachvollziehbare Referenzen schaffen eine deutlich bessere Grundlage für einen professionellen Kaufprozess.

Der Vertrag muss auch dann funktionieren, wenn der Deal scheitert

Ein guter Aircraft Purchase Agreement ist nicht nur für den Moment geschrieben, in dem Käufer und Verkäufer sich die Hand geben. Seine Qualität zeigt sich besonders dann, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Was passiert bei erheblichen Pre-Buy Findings? Wer entscheidet, was ein Airworthiness Item ist? Muss der Verkäufer nachbessern? Kann der Käufer zurücktreten? Was geschieht mit dem Deposit? Wer trägt bereits entstandene Kosten? Welche Zusicherungen macht der Verkäufer zu Eigentum, Umsatzsteuerstatus, Damage History und Logs?

Solche Punkte sollten möglichst vorab eindeutig geregelt und bei einer grenzüberschreitenden oder gesellschaftsrechtlich komplexen Struktur mit geeigneten Rechts- und Steuerberatern geprüft werden.

Unser Fazit aus Prag

Menschen kann man nur vor den Kopf schauen. Sympathie und ein professioneller erster Eindruck gehören zum Geschäftsleben – sie ersetzen aber keine Prüfung.

Unsere wichtigste Erkenntnis aus dem geplanten Cirrus-Kauf in Prag lautet deshalb: Prüft nicht nur das Flugzeug. Prüft auch denjenigen, der den Deal strukturiert.

Referenzen, Erfahrung, transparente Eigentumsverhältnisse, ein klar ausgewiesener Kaufpreis und VAT-Status, vollständige Logs sowie ein ausgewogener Vertrag sind keine Nebensachen. Sie gehören für uns heute genauso zu einem guten Aircraft Deal wie eine fachkundige Pre-Buy Inspection.

Und wenn sich wesentliche Rahmenbedingungen erst ändern, nachdem LOI, Reise und technische Prüfung bereits vorbereitet sind, darf man auch eine unbequeme Entscheidung treffen: stoppen, neu bewerten und im Zweifel vom Kauf Abstand nehmen.

Manchmal ist der beste Flugzeugkauf der, den man nicht macht.

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